Hermann Friedrich Römpler war 27 Jahre an der Spitze des Plauener Lehrerseminars

12.09.1998von Roland Schmidt

 

Zu den Persönlichkeiten, die das vogtländische Schulwesen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts maßgeblich prägten, gehörte Hermann Friedrich Römpler. 27 Jahre lang, von 1873 bis 1902, leitete er das Plauener Lehrerseminar und trug damit die Verantwortung für die Ausbildung von Hunderten von Lehrern für die vogtländischen Volksschulen. Darüber hinaus hatte er sich als Verfasser pädagogischer Schriften und als Dramatiker für seminaristische Theateraufführungen einen Namen gemacht, der weit über das Vogtland hinaus bekannt geworden war. Römplers Wiege stand im erzgebirgischen Freiberg, wo er am 14. September 1836 geboren wurde. In seiner Heimatstadt besuchte er auch das Gymnasium, um sich als Zwanzigjähriger in Leipzig dem Theologiestudium zu widmen. Er strebte das Pfarramt an, entdeckte dann jedoch seine Berufung zum Pädagogen und war fortan im Schuldienst. Die Plauener Bürgerschule in der Syrastraße war seine erste Station, bevor er in Annaberg als Lehrer an der Realschule und danach im benachbarten Buchholz als Bürgerschuldirektor tätig war. 1866 trat er die Stelle als 1. Oberlehrer am Plauener Lehrerseminar an, und sieben Jahre später, am 10. Juni 1873, erfolgte seine Berufung zum Direktor dieser Anstalt. In seiner Tätigkeit fühlte sich Römpler den Ideen des großen Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi verpflichtet, indem er eine Einheit von strengem Erziehungswillen und gütiger Nachsicht verfolgte. So stellte er an Fleiß, Ordnung und Disziplin seiner Schüler höchste Anforderungen, und er vertrat beharrlich die Ansicht, daß die Jugend nur durch Anstrengung reife und eine charakterliche Entwicklung erfahre. Thesen, die einer Überbürdung der Schüler das Wort redeten, trat er entschieden entgegen. Gleichzeitig lehrte er aber die zukünftigen Lehrer, nie zu vergessen, daß sie selbst einmal Kind waren. Vielmehr sollten sie stets daran denken, wie widersprüchlich ihre eigene Entwicklung verlaufen sei und welche Geduld ihre Eltern und Lehrer dabei aufbringen mußten, um in vielen Erziehungsituationen in der Schule auch mit der nötigen Gelassenheit reagieren zu können. Wiederholt forderte er seine Seminaristen auf, sich drei Ideen verpflichtet zu fühlen. Zum einen der Idee der Natur, die sich in Wanderlust und körperlicher Ertüchtigung niederschlagen sollte, zum zweiten der Idee der Kunst, die das Aneignen des Schönen in der Welt zum Ziel haben sollte, und schließlich der Idee der Vaterlandsliebe. Letztere blieb freilich auch bei Römpler nicht frei von Erscheinungen der Deutschtümelei, wie sie für viele Menschen um die letzte Jahrhundertwende typisch waren. Der genannte Grundsatz des Römplerschen Handels, einerseits straff zu führen, andererseits aber auch über vieles unbekümmert hinwegsehen zu können, machte sein tägliches Wirken am Lehrerseminar keineswegs leicht. Viele seiner Schüler sahen den Widerspruch sehr deutlich, in dem sich ihr Seminardirektor ständig befand. Es gelang Römpler deshalb nur in wenigen Fällen, ein herzliches Verhältnis zu seinen Seminaristen herzustellen. Zwar gewährte er ihnen gegenüber seinem Amtsvorgänger Oskar Adalbert Grüllich mancherlei Freiheiten - zum Beispiel erließ er ihnen an den Sonntagen den organisierten Kirchenbesuch im geschlossenen Zug und auch im Hinblick auf Gaststättenbesuche der Seminaristen zeigte er sich loyaler - dennoch blieb er für sie stets der etwas reserviert wirkende Pädagoge, der mehr gefürchtet als geachtet wurde. Auf didaktischem Gebiet führte Hermann Römpler einen entschiedenen Kampf gegen den Formalismus im Unterricht, speziell gegen die von den Nachfahren Herbarts als didaktisches Allheilmittel propagierten Formalstufen. Vielmehr forderte er eine schöpferische Unterrichtsgestaltung, die er in Büchern zur Didaktik im Detail begründete. Auch zum Religionsunterricht gab er Bücher für Lehrer und Schüler heraus, wobei zweifellos sein ursprünglicher Berufswunsch Pate stand. Schließlich galt Hermann Römpler als Meister der deutschen Sprache, die er in Wort und Schrift trefflich zu gebrauchen wußte. Seine öffentlichen Reden waren legende, und mit seinen schriftstellerischen Arbeiten erntete er manchen Lorbeer. So gab er 1884 die "Rautenblätter" heraus, die Episoden zur sächsischen Geschichte enthielten. Zu besonderen Festlichkeiten am Lehrerseminar verfaßte er Dramen, die mit Erfolg zur Aufführung kamen. Nach 27jähriger Tätigkeit als Direktor des Plauener Lehrerseminars trat Hermann Friedrich Römpler 1902 in den verdienten Ruhestand. Als er am 18. März 1914 starb, trauerten viele vogtländische Lehrer um ihn, hatten sie doch von ihm das entscheidende Rüstzeug für ihren Beruf erhalten.

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