Max Zschommler zum Gedenken

05.12.1995von Roland Schmidt

 

Am 5. Dezember 1915, starb in Plauen Prof. Dr. Max Zschommler. Sein Tod riß nicht nur eine schmerzliche Lücke in die Lehrerschaft des Plauener Gymnasiums, auch die vogtländische Heimatgeschichtsforschung hatte einen ihrer fähigsten und produktivsten Mitstreiter verloren. Wer war Max Zschommler, auf welchen Gebieten hat er neben seiner Tätigkeit als Gymnasiallehrer Bleibendes für seine vogtländische Heimat geleistet? Max Zschommler war am 17. Juli 1855 in Langenbach bei Mühltroff geboren worden. Nach dem Besuch der einfachen Kirchschule seines Geburtsortes zählte er von 1870 bis 1875 zu den Schülern der Realschule I. Ordnung in Plauen, die organisatorisch fest mit dem Gymnasium verbunden war. Danach studierte er in Leipzig und Genf neuere Sprachen, um dann in den Schuldienst zu treten. Er war zunächst provisorischer und dann ständiger, d.h. fest angestellter Oberlehrer in Wurzen, bevor er 1882 seine Versetzung nach Plauen erwirkte. Seine frühere Ausbildungsstätte, das Gymnasium in der Seminarstraße und ab 1911 der Neubau in der Blücherstraße, war fortan seine Wirkungsstätte. Zschommler lehrte am Gymnasium vorwiegend die französische Sprache, seine Vitalität und sein breites Interessenfeld ließen ihn aber sehr bald zu einem anerkannten Mann auf Gebieten werden, die eigentlich außerhalb seines Unterrichtsfaches lagen. Für das Gymnasium und seine Schüler war das von Vorteil, konnte doch Zschommler mit diesen Themen seine Schüler auch außerhalb des Lehrplanstoffes erreichen. Zum einen war Max Zschommler wie viele seiner Lehrerkollegen ein begeisterter Anhänger Bismarcks. So war es folgerichtig, daß er zu den verschiedensten Ehrungen des Reichskanzlers im Gymnasium, aber auch in der Stadt auftrat. Er war Vorsitzender des Komitees der Stadt Plauen, das sich für die Errichtung eines Bismarckdenkmals einsetzte. Die feierliche Enthüllung des vom Berliner Bildhauer Wilhelm Haverkamp geschaffenen Bronzestandbildes am 1.4.1896 auf dem Albert-Platz, an der sich auch zahlreiche Gymnasiasten und Lehrer beteiligten, war daher auch maßgeblich sein Verdienst. Als Bismarck 1898 starb, hielt Zschommler die Gedenkrede auf der Trauerfeier des Gymnasiums. Zum anderen war Max Zschommler um das Lebenswerk von Julius Mosen bemüht. So war er maßgeblich an der Ehrung des vogtländischen Dichters anläßlich seines 85. Geburtstages am 8. 7. 1888 beteiligt. Für ein Mosendenkmal hatte er 6000 Mark gesammelt, die davon überschüssigen 400 Mark legte er in einer Mosenstiftung an. Von den Zinsen dieses Kapitals wurden die Werke Mosens gekauft, die jährlich je einem Gymnasiasten und Seminaristen als Auszeichnung überreicht wurden. Von 1901 bis 1904 veranstaltete Zschommler eine Spendenaktion unter den ehemaligen Schülern des Gymnasiums, so daß das Grundkapital der Stiftung auf 1600 Mark erhöht werden konnte. Die Stiftung diente dem Ziel, "zu ihrem bescheidenen Teile dazu beizutragen, das Andenken an einen edlen deutschen Dichter in der Jugend wachzuhalten und vor unverdienter Vergessenheit zu bewahren." Diesem Anliegen diente 1903 auch die Errichtung eines Mosen-Denkmals, an der Zschommler ebenfalls maßgeblich beteiligt war. Mit all diesen Aktivitäten hatte sich Max Zschommler im Vogtland einen Namen gemacht, und auch am Gymnasium fand sein Unterricht unter den Schülern hohe Anerkennung. Diese Verdienste veranlaßten im Frühjahr 1908 einen vermögenden, aber anonym gebliebenen Vater anläßlich des Abiturs seines Sohnes 1000 Mark als Grundstock für eine Dr.-Max-Zschommler-Stiftung anzulegen. Zschommler verfügte, den Zinsertrag alljährlich an zwei Gymnasiasten zu vergeben, deren Eltern den Schulbesuch ihrer Söhne nur mit Mühe finanzieren konnten. Ostern 1909 wurde diese Auszeichnung erstmals vergeben. Zschommler selbst krönte seine langjährigen Forschungen zur vogtländischen Geschichte mit dem Buch "Interessante und berühmte Vogtländer", das 1913 in Plauen im Verlag Moritz Wieprecht erschien. Mit Fleiß und Akribie hatte er die Biographien zahlreicher Persönlichkeiten zusammengetragen, die in irgendeiner Weise mit dem Vogtland verbunden waren. Er würdigte ihre Lebensleistungen und setzte ihnen nicht nur ein literarisches Denkmal, sondern gab damit auch viele Impulse zur weiteren Erforschung der vogtländischen Heimatgeschichte. 1979 erschien dieses Buch unverändert als Reprint-Ausgabe in Frankfurt am Main. Nahezu zeitgleich mit dem ersten Erscheinen seines Buches wurde Max Zschommler im April 1913 zum Konrektor des Gymnasiums berufen. Diese Funktion konnte er jedoch nur zweieinhalb Jahre ausfüllen. Im Oktober 1915 zwang ihn eine schwere Krankheit, seine Lehrtätigkeit am Gymnasium aufzugeben, zwei Monate später war ihr der 60jährige erlegen.

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