Vor 175 Jahren starb Magister Moritz Erdmann Engel

11.02.2011von Roland Schmidt

 

Die Engelstraße in der Nähe des Dittrichplatzes dürfte vielen Plauenern wegen der dort zu findenden Agentur für Arbeit bekannt sein. Ihr Name ehrt einen Mann, der sich um Plauen und das gesamte Vogtland große Verdienste erworben hat: Magister Moritz Erdmann Engel, dessen Todestag sich am 10. Februar 2011 zum 175. Male jährt. Moritz Erdmann Engel wurde am 27. Juni 1767 in Plauen als Sohn eines Steuereinnehmers geboren. Er besuchte das städtische Lyceum und studierte von 1786 bis 1792 in Leipzig Theologie. Danach kehrte er nach Plauen zurück und war acht Jahre als Lehrer an seiner früheren Schule tätig, bevor er im Jahr 1800 als Land- und wenig später als Stadtdiakon in kirchliche Dienste trat. Dieser Aufgabe blieb er bis zu seinem Tode treu. Als Mitarbeiter des Superintendenten widmete er sich den Armen und Bedürftigen der Stadt, indem er sie in ihrem Kampf um das tägliche Brot nach besten Kräften unterstützte. Gleichzeitig ließ ihm dieses Amt genügend Zeit, mit journalistischen und schriftstellerischen Arbeiten Wissen und Aufklärung unter das Volk zu bringen. Dafür nutzte er den „Vogtländischen Anzeiger“ und seine Vorläufer, deren alleiniger Redakteur er 42 Jahre lang war, von 1794 bis zu seinem Tod 1836. Er propagierte neue Erkenntnisse für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, deren Anwendung höhere Leistungen in diesen Wirtschaftsbereichen und damit einen besseren Lebensstandard erwarten ließ. So warb er für den Anbau von Flachs, stellte neue Methoden der Kartoffelpflanzung vor und informierte über effektivere Wege des Brotbackens. Wiederholt regte Moritz Erdmann Engel an, im Vogtland edlere Obstsorten zu züchten, wofür er in seinem eigenen Garten das beste Beispiel gab, so dass das Grundstück an der Straßberger Straße von vielen Hobbygärtnern gern besucht wurde. Moritz Erdmann Engel, der von 1811 bis 1815 auch „Meister vom Stuhl“ der Plauener Freimaurerloge war, trat aber auch als Autor von Schul- und Kinderbüchern hervor. Bereits 1791 verfasste er ein geographisches Handbuch. Später fanden seine moralisierenden Schriften für Kinder und Jugendlichen eine breite Leserschaft. In anderen Büchern erteilte er Ratschläge zur Erziehung der Kinder. Als einer der ersten Plauener forderte er 1798 die Eltern auf, ihre Knaben das Schwimmen lernen zu lassen, zur körperlichen Ertüchtigung und zur Selbsthilfe für sich und andere in Stunden der Gefahr. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts verfasste Engel mehrere Schriften zu politischen und ökonomischen Themen, so 1831 über die Rechte und Pflichten, die sich aus der ersten sächsischen Verfassung für die Lehrer ableiteten, kurz darauf untersuchte er die wirtschaftlichen Konsequenzen, die sich aus der beginnenden Ablösung des Fronverhältnisses der Bauern für das Königreich Sachsen ergaben. Sein wichtigstes Werk wurde aber „Der Geist der Bibel in Schule und Haus“. Es erschien 1824 in Plauen und fand in weiten Kreisen der Bevölkerung starke Verbreitung, so dass es bis 1846 insgesamt 15 Auflagen erfuhr. Lehrer und Geistliche waren von dem im Geiste des Rationalismus verfassten Buch gleichermaßen angetan, und der preußische König Friedrich Wilhelm III. ehrte Engel dafür sogar mit einer goldenen Dose. Doch getreu seiner Lebensmaxime, dem Gemeinwohl zu dienen, betrachtete der Autor diese Auszeichnung nicht als persönliches Geschenk, vielmehr legte er ihren Geldwert als Grundkapital einer Stiftung an. Seinem Beispiel sollten weitere Sponsoren mit ansehnlichen Summen folgen. 100 Jahre lang – so Engels Traum – sollte es Zinsen abwerfen, mit denen nach 1930 Kirchen, Schulen und soziale Einrichtungen der Stadt erhalten bzw. neu gebaut werden sollten. Doch Engel hatte die Spendenbereitschaft seiner vermögenden Plauener Mitbürger überschätzt, sie blieb weit hinter seinen Erwartungen zurück. Natürlich war auch der Umstand, dass frühestens erst die Urenkel einen Nutzen aus der Stiftung gezogen hätten, für viele nicht motivierend. So musste Moritz Erdmann Engel in seinen letzten Lebensjahren – bereits von schwerer Krankheit gezeichnet – das Scheitern seiner edlen und gut gemeinten Pläne erleben. Seinem Ansehen in Plauen und im übrigen Vogtland tat das keinen Abbruch. Hochverehrt blieb er „der geistige Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt“, bis ihn am 10. Februar 1836 ein sanfter Tod ereilte.

Tags: Gymnasiallehrer, Stadtdiakon, Geschichte Plauens, Freimaurer, landwirtschaftliche Bildung, religiöse Bildung

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