Zum 100. Todestag von Gymnasiallehrer Prof. Dr. William Fischer

07.11.2006von Roland Schmidt

 

Den heutigen Plauenern sagt sein Name kaum noch etwas, dennoch dürfte Prof. Dr. William Fischer, dessen Todestag sich am 10. November 2006 zum 100. Male jährt, zu den bedeutendstenWissenschaftlern gehören, die jemals am Gymnasium der Vogtlandmetropole unterrichteten. Seine Wiege stand im vogtländischen Falkenstein, wo er am 8. Februar 1846 geboren wurde. Nachdem er frühzeitig seinen Vater verloren hatte, kam er in die Obhut eines verwandten Diakons in Adorf. Dieser ermöglichte ihm Privatunterricht und den Besuch des Plauener Gymnasiums, das er 1865 mit einem ausgezeichneten Abitur abschloss. Doch diese Bildungsstätte wurde für William Fischer viel mehr: Hier hatten ihm die Rektoren Palm und Dietsch die alten Sprachen nahegebracht und damit ein Feuer entfacht, das sein ganzes Leben hindurch brannte, hier hatte er Wurzeln geschlagen, denen er sich nicht mehr entziehen konnte. Das Studium der Philologie und Geschichte in Leipzig, eine kurze Anstellung als Hauslehrer in Schwerin sowie eine dreijährige Tätigkeit als Oberlehrer an einem Dresdner Gymnasium waren nur notwendige Zwischenschritte, um 1874 als Lehrer an seine einstige Ausbildungsstätte zurückzukehren und ihr mehr als drei Jahrzehnte die Treue zu halten. Er unterrichtete hauptsächlich Geschichte, doch auch Latein, Deutsch und Geograpghie gehörten zu seinen Lehrfächern, die er alle mit hoher Sachkenntnis und didaktischem Können erteilte. Mit gleicher Sorgfalt vervollkommnete er in all den Jahren die Lehrmittelsammlung der Schule. Dazu nutzte er auch seine Reisen in viele Gegenden Deutschlands, nach Oesterreich, Italien und Russland. 1893 wurde William Fischer zum Professor berufen, 1903 übernahm er die Funktion des Konrektors des Gymnasiums.Doch die Lehr- ind Leitungstätigkeit am Plauener Gymnasium war nur die eine Seite im Leben William Fischers. Die andere betraf seine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Byzantinistik sowie seine Forschungen zur vogtländischen Geschichte. Schon in seiner Leipziger Studienzeit hatte sich Fischer mit dem von Konstantinopel ausgehenden Weltreich beschäftigt, und auch in Plauen ließ ihn das Thema nicht mehr los. Allein auf sein umfangreiches historisches Wissen und seine Sprachkenntnisse bauend - eine leistungsfähige Bibliothek stand ihm nicht zur Verfügung - publizierte er in einschlägigen Zeitschriften regelmäßig Aufsätze, die von den Fachleuten des In- und Auslandes hohe Wertschätzung erfuhren, weil sie zu produktivem wissenschaftlichem Meinungsstreit herausforderten. 1883 veröffentlichte William Fischer im Jahresbericht des Plauener Gymnasiums einen umfangreichen Beitrag, der später als "epochemachende Studie zur byzentinischen Geschichte des 11. Jahrhnunderts" gewürdigt wurde. Doch Fischer schrieb nicht nur für Spezialisten, sondern er trat auch mit populärwissenschaftlichen Darstellungen zur byzantinischen Geschichte hervor.
Mit gleicher Akribie und Begeisterung widmete sich William Fischer auch der Geschichte des Vogtlandes. 1876 erschien eine umfangreiche Arbeit über die Folgen des Altranstädter Friedens für Sachsen und speziell das Vogtland. In seinem letzten Lebensjahrzehnt verfasste er zahlreiche kleinere Artikel zur Geschichte unserer Heimat, die entweder in den Jahresschriften des Plauener Altertumsvereins oder in der "Neuen Vogtländischen Zeitung" erschienen. Auf solidem Quellenstudium fußend schrieb er über die Entstehung einzelner vogtländischer Kirchspiele, über das ehemalige Plauener Dominikanerkloster und über die beginnende Reformation in Plauen, aber auch über die Inschriften am Altar der Kirche zu  Thossen. Sein größtes Interesse galt jedoch der Geschichte des Schulwesens im Vogtland. Er  forschte über Johannes Dölz und seinen Plauener Schulplan aus der Reformationszeit, und er publizierte die Klagen Plauischer Schullehrer aus dem Jahre 1667 sowie die ältesten Schulgesetze des Gymnasiums zu Plauen aus dem Jahre 1714. Er setzte sich mit dem "Plauischen Schulelend" im 18. Jahrhundert auseinander und beschrieb den Werdegang der Schule zu Oberlosa. 1904 publizierte William Fischer eine kurze, aber anspruchsvolle Geschichte des Plauener Gymnasiums, die als Einleitung zu einer umfassenden Quellensammlung zur Entwicklung dieser Bildungsstätte gedacht war. Diese war bereits so  weit gediehen, dass wiederholt ihr baldiges Erscheinen angekündigt wurde. Doch es kam anders. Am 10. November 1906 setzte eine  Lungenembolie dem Leben und Schaffen William Fischers ein jähes Ende. An seinem Grabe auf dem Plauener Friedhof II würdigte der Rektor des Gymnasiums, Prof. Dr. Konstantin Ackermann, den Verstorbenen mit den Worten: "Er drang in die Tiefe, in den Kern der Sache ein" - zu Recht, denn das tat Prof. Dr. William Fischer sowohl als Gymnasiallehrer als auch als Wissenschaftler von Rang!

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